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Konflikte: Den Lösungsraum vergrößern

· Konfliktmoderation

Konflikte: Den Lösungsraum vergrößern

Wie im Artikel „Konflikte: Die Grundlage des Gemeinsamen vergrößern“ beschrieben, ist es essenziell, dass die gemeinsamen Interessen einer Gruppe den Teilnehmenden präsent und greifbar sind. Nur wenn alle Beteiligten ihre eigenen und die gemeinsamen Ziele im Blick haben, können konstruktive Lösungen erarbeitet werden. Der nächste Schritt – und der Fokus dieses Beitrags – zielt auf die Erweiterung des Lösungsraums.

 

Akzeptanz der Realität: Perfektion ist eine Illusion

Als Teil der Rahmung ist es wichtig, der Gruppe an dieser Stelle klarzumachen, dass es keine für alle perfekte Lösung gibt. Perfektion ist schlichtweg unmöglich. Stattdessen sollte der Fokus darauf liegen, das Bestmögliche aus der aktuellen Situation herauszuholen.

„Bestmöglich“ bedeutet in diesem Zusammenhang auch, Entwicklung und Lernen bewusst zu inkludieren. Was könnte im nächsten Jahr die bestmögliche Lösung sein? Diese Fragestellung öffnet den Raum für iterative Verbesserungen und reduziert den Druck, nach einer perfekten Lösung zu suchen.

 

Paradoxe Intervention: Spaß und Introspektion kombinieren

Ein erster möglicher Zwischenschritt, der Spaß macht und zum Nachdenken anregt, kann eine paradoxe Intervention sein. Hierbei wird die Gruppe aufgefordert, nach den schlechtesten und destruktivsten Lösungen zu suchen. Die zentrale Frage lautet: Wie kann das Projekt erfolgreich zum Scheitern gebracht werden?

Eine geeignete Methode dafür ist „1-2-4-alle“:

1. **Einzelarbeit**: Alle Teilnehmenden sammeln ihre Ideen alleine auf Post-it-Zetteln.

2. **Paararbeit**: Die Ideen werden in Paaren ausgetauscht.

3. **Gruppenarbeit**: Zwei Paare stellen sich gegenseitig ihre destruktivsten Ideen vor.

4. **Plenumsarbeit**: In Quartetten werden die besten „schlechten“ Ideen der Gesamtgruppe präsentiert.

Neben dem Spaß, den diese Methode mit sich bringt, gewinnt die Gruppe gleichzeitig an Klarheit darüber, was vermieden werden muss, um das Projekt nicht zu gefährden.

 

Den Lösungsraum erweitern

Ob mit oder ohne paradoxe Intervention – um den Lösungsraum effektiv zu erweitern, sind alle denkbaren Lösungen und Zwischenlösungen zu sammeln, ohne diese zu diskutieren. In dieser Phase sind lediglich Verständnisfragen erlaubt, um sicherzustellen, dass alle Ideen korrekt verstanden werden.

Alle vorgeschlagenen Ansätze sind visuell zu dokumentieren, beispielsweise auf einer Pinnwand. In der Regel entstehen so aus zwei miteinander konkurrierenden Entscheidungsalternativen oft fünf und mehr mögliche Entscheidungsoptionen. Erst wenn alle möglichen Entscheidungsvarianten präsent sind, kann es zum nächsten Schritt gehen, der Entscheidungsfindung.

 

Vorteile einer größeren Zahl von Entscheidungsalternativen

Die Erweiterung des Lösungsraums und die Bewusstmachung vieler Entscheidungsalternativen haben mehrere Vorteile:

  1. Vielfalt an Perspektiven: Unterschiedliche Vorschläge bringen verschiedene Sichtweisen zusammen, was zu innovativeren und umfassenderen Lösungen führt.
  2. Erhöhung der Akzeptanz: Wenn alle Gruppenmitglieder ihre Ideen einbringen können, fühlen sie sich stärker eingebunden. Dies führt zu einer höheren Akzeptanz der finalen Entscheidung.
  3. Risiko-Minimierung: Eine Vielzahl von Alternativen hilft, mögliche Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.
  4. Flexibilität: Mehrere Optionen ermöglichen es der Gruppe, flexibel auf neue Informationen oder sich ändernde Umstände zu reagieren.
  5. Lernprozess: Der Diskurs über viele Alternativen fördert den Lernprozess der Gruppe und verbessert die Fähigkeit zur Problemlösung langfristig.

 

Fazit

Konflikte in Gruppen sind unvermeidlich. Konflikte sind jedoch immer auch eine Gelegenheit, neue, kreative, nachhaltige Lösungen zu finden. Durch das Loslösen von der Illusion der Perfektion und das Schaffen von Raum für Entwicklung und Lernen können Projekte nicht nur erfolgreich umgesetzt, sondern auch kontinuierlich verbessert werden.

Der Weg zur besten Lösung ist oft iterativ und erfordert die kollektive Intelligenz und das Engagement aller Beteiligten. Die umfassende Sammlung und Betrachtung vieler Alternativen eröffnet eine Vielfalt an Perspektiven und fördert innovative und umfassende Lösungsansätze. Eine größere Anzahl von Alternativen trägt zudem zur Erhöhung der Akzeptanz bei, da jedes Gruppenmitglied seine Ideen einbringen kann und sich stärker eingebunden fühlt. Darüber hinaus hilft eine breite Palette an Lösungsansätzen dabei, Risiken frühzeitig zu identifizieren und flexibel auf neue Informationen oder Änderungen zu reagieren.