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"Raum halten" – was meint das?

Inspirationen aus dem Japanischen

Als Gastgeber für gute Gespräche sind das "Raum halten" oder auch das "Container bilden" für uns häufig verwendete Begriffe. Sie werden meist in zweifacher Bedeutung verwendet: Zum einen geht es darum, die physische Qualität eines Raums bei der Gestaltung einzubeziehen und zum zweiten darum, einen unsichtbaren Raum aufzuspannen, der die Qualität der Begegnungen fördert.
Eine anregende Diskussion im internationalen Art of Hosting-Netzwerk wies auf die differenzierten Bedeutungen des Raums in der japanischen Sprache hin, von denen wir Westler lernen können. Inspiriert vom Shintoismus und vom Buddhismus gibt es in Japan vier Worte für Raum, die mehr die Interaktionen und Beziehungen innerhalb des Raums betonen:

wa - der Beziehungsraum: Welche Art von Beziehung der Raum im Miteinander fördert. Das ist ein Grund, warum wir als Facilitatoren in der Regel versuchen, eine starre Sitzordnung mit Tischen aufzulösen und einen einfachen Stuhlkreis zu bilden.

ba - der Wissenraum: Wie Haltung und Arrangement geformt sind, um das gemeinsame Wissen zu bereichern. Anschaulich wird dieser Aspekt im Design Thinking, mit der Bildung interdisziplinärer Teams und einer kreatives Denken beflügelnden Raumausstattung.

tokoro - der Kontext des Raums in seiner Umgebung: Wie die Umgebung das Geschehen im Raum bestimmt. Das ist der Grund, warum wir für Workshops eher Räume außerhalb der Organisation empfehlen, sie sind freier vom Kontext und laden eher zu Neuem ein.

ma - der freie (oder leere) Raum: Wie im Raum Momente der Unterbrechung, der Achtsamkeit und Stille möglich werden. Ein gutes Beispiel findet sich in der "The Circle Way" Methode, in der Teilnehmer mittels eines akustischen Signals die Gruppe zu einem Moment der Stille einladen können, um das Gespräch zu verlangsamen und neu zu fokussieren.

Der Designer David Grasekamp vom mowaii.com, der lange in Japan gelebt hat, wies mich daraufhin, dass das Japanische mit der Haltung des motenashi für uns Gastgeber guter Gespräche auch einen Blick wert ist. Mehr zu motenashi, shitsurai und furumai finden sich in diesem Artikel bei Fastcompany.

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