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Agil und schmerzhaft

Reflexion zur „Agile Cologne” 2016

Agil und schmerzhaft
Vergangenen Freitag in Köln: Die „Agile Cologne” ruft zur ganztägigen Zusammenkunft. Gut 160, überwiegend junge Menschen folgten. Eine beeindruckende Crowd, so viel Potenzial. Die meisten aus dem Rheinland. Aus Scrum-Teams, HR-Abteilungen, aus der Berater- und Trainerszene. Den Rahmen formte ein Open Space, in dem die Gruppe etwa 30 bis 35 Themen zusammentrug.
Ich habe zur Frage „Lässt sich Selbstorganisation verordnen?” eingeladen. Eine große und vielfältige Runde hat mir und hoffentlich auch ein wenig sich selbst geholfen, interessante Einsichten und Antworten zu gewinnen. Danke dafür!
Zwei Stömungen
Die „agile” Welt ist Neuland für mich. Als ich zwischen 1999 und 2001 für IT-Unternehmen als Interimsmanager arbeitete, war „Agile“ noch nicht in der Welt. Diverse Methoden der Selbstorganisation hatten jedoch schon etliche Jahre auf dem Buckel, wie beispielsweise World Café und Open Space, mit denen ich seit 2007 arbeite. Aus dieser Perspektive schaue ich – neugierig hinüber ins agile Feld. Schon erstaunlich wie parallel und doch mit vergleichsweise wenigen Berührungspunkten sich ähnliche Ansätze entwickeln. Hier die Riege der Großgruppen-Methoden bis hin zum Art of Hosting und dort die agilen Methoden, beides Strömungen im Fluß der Selbstorganisation.
Schmerz bei der Großgruppen-Arbeit
Bevor ich zu den Eindrücken von der "Agile Cologne" komme, möchte ich kurz meine eigenen Erfahrungen als Facilitator/Host von Teams und großen Gruppen schildern. Denn ich glaube, dass es einige Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Feldern gibt. Nicht nur bei den Erfolgen, sondern auch bei den schmerzhaften Aspekten. Besonders weh tun mir Projekte, in denen die Aussaat schon erfolgreich aufgegangen ist, in denen Lebendigkeit, Kreativität und Engagement sich bereits selbstverstärkend entfalten  – und dann Entscheider abrupt die Bewässerung einstellen. Von ähnlicher Wirkung ist es, wenn zentrale Akteure den Handlungsdruck so lange und so stark beschwören, dass hartes, straffes Vorgehen unvermeidbar erscheint. Und noch eine dritte Quelle von Leid: Methoden-Dogmatismus. Durch starres Festhalten an Methode und Plan habe ich selbst leider auch schon Gruppen im Weg gestanden. Das Werkzeug, die Methode ist es aber nicht, um das es geht: „A Fool with a Tool is still a Fool.“
Das Leiden in agilen Ansätzen
In meiner Wahrnehmung haben sich in den Antworten zu „Lässt sich Selbstorganisation verordnen?” ähnlich leidvolle Erfahrungen mit agilen Konzepten gespiegelt. Eine mehrfach benannte Quelle für Dissonanz ist das Management: „Das Management sagt: ‚macht', gibt aber keine Unterstützung”, „Die Vorstände predigen aber handeln selbst nicht danach”, „Bei uns gibt es viele Elektrozäune”, „Wir sollen selbstorganisiert sein!”. Sehr gut zu hören war auch die Pein des mittleren Managements, „im Druck zwischen oben und unten”: „Manche Mitarbeiter gehen nicht mit”,  „sind auf Autorität konditioniert”, ”Wir wissen nicht, wie wir aus der Abwärtsspirale rauskommen”. Auch der Methoden-Dogmatismus blitzte in der Runde auf, in Forderungen, dass „Selbstorganisation harte Regeln braucht” oder in der Interpretation, dass das agile Manifest einzig und allein auf die Optimierung der Wertschöpfungskette ziele.
Triggern, predigen, verordnen – oder einladen?
Können wir Selbstorganisation „triggern” oder „predigen” oder „verordnen”? Wenn wir Harrison Owen folgen, dem Begründer von Open Space, ist das zum Scheitern verdammt: „Organizing a Self Organizing System is not only a Oxymoron – It’s Stupid!” Sehr wohl aber können wir einladen, einen Rahmen schaffen, der das Vertrauen in Selbstorganisation wachsen lässt. Genau diesen Ansatz wollen wir im Juni mit dem Workshop zu „OpenSpace Agility” ausloten. Gleichzeitig werden die Tage eine Gelegenheit für einen Austausch zwischen den Sphären der Großgruppen-Methoden und des Art of Hosting und der agilen Welt sein. Wir können viel voneinander lernen!
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